2022

  • Bernhard Sobbe: Bericht für das Werler Jahrbuch 2022

    Vom Schloss Werl zur Werler Schlossruine – Stadtgeschichte wird greifbar

    500 Jahre hinterlassen Spuren: Erbaut zwischen 1519 und 1522, spiegeln sich heute in den Ruinen des einst so bedeutenden Werler Schlosses nicht nur natürlicher Verfall, sondern vor allem auch die menschliche Geschichte wider. Nachdem im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) große Teile der Anlage zerstört worden waren, und eine geplante Renovierung nie stattgefunden hatte, setzte man die vielen, noch verwendbaren Grünsandsteinblöcke an anderer Stelle ein, denn Baumaterial war wertvoll. So wurde etwa die Pflasterung der Hammer Straße und der Bau vieler Wohnhäuser mit Steinen aus dem Werler Schloss bewerkstelligt. Heute zeugen noch weitreichende unterirdische Gewölbe vom ursprünglichen Umfang des Bauwerks. Überirdisch ist noch ein Wehrturm und ein kleiner Teil der angrenzenden Wehrgänge übrig.

    Was das Schloss Werl in 500 Jahren an Substanz eingebüßt hat, hat es in den vergangenen Jahrzehnten an Sympathien hinzugewonnen: Mit der Gründung des Fördervereins Kurfürstliche Schlossruine Werl e. V. im Jahre 2013 unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Michael Maas wurde der Grundstein für eine Vielzahl von Sanierungsmaßnahmen gelegt, durch welche die Ästhetik und Substanz der denkmalgeschützten Ruine teils aufrechterhalten, teils wiederhergestellt und teils auch modernisiert werden sollte. Im Vordergrund steht dabei insbesondere der Wunsch, die Ruine und das umliegende Gelände für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu wurde ein umfassendes Sanierungskonzept durch den Werler Architekten Dipl.-Ing. Nils Oetterer in enger Zusammenarbeit mit den ausführenden Firmen, dem Förderverein der Schlossruine und der Denkmalschutzbehörde in Münster erarbeitet.

    Mit den Natursteinarbeiten wurde dabei die Werler Steinwerkstatt Sobbe unter der Leitung von Dipl.-Ing. Bernhard Sobbe beauftragt. Er ist mit den besonderen Eigenschaften des im Schloss verbauten Grünsandsteins bestens vertraut und weiß daher genau, mit welchen Materialien und Methoden eine solche Sanierung durchzuführen ist. Im Sommer 2019 begannen die Arbeiten: Die in den 70er-Jahren eingesetzten, für das Sandsteinmauerwerk ungeeigneten Zementfugen mussten entfernt und unter Verwendung eines geeigneten hydraulischen Trass-Kalk-Fugenmörtels neu verfugt werden. Dazu entnahm die Steinwerkstatt Sobbe Mörtelproben aus dem Mauerwerk zur Untersuchung in einem Labor, um den Mörtel auf die optischen und physiko-mechanischen Eigenschaften des Natursteins abzustimmen. Im Innenbereich wurde der Farbton des Mörtels dem Original entsprechend gewählt. Im Außenbereich des Turms waren die Natursteinblöcke aus militärstrategischen Gründen planrecht ohne erkennbares Fugenbild gearbeitet. Angreifenden Truppen bot sich dadurch das Bild einer undurchdringlichen Festungsmauer – man ritt buchstäblich gegen eine blaugrüne Wand. Im Laufe der Jahrhunderte vergrößerten sich die Fugen, weshalb sie bei der Sanierung in diesem Bereich blaugrün eingefärbt wurden. Bei der Arbeit an den Fugen musste immer auch die konstruktive Integrität der Mauer überprüft werden; lose Steine waren zu befestigen, fehlende zu ergänzen. In einem ersten Schritt wurde das Mauerwerk über dem Eingangsbereich saniert, um eine gefahrfreie Erschließung des Innenbereichs über den Haupteingang zuzulassen. Als nächstes waren die Natursteinwände des großen, sogenannten Rittersaals mit den Schießräumen und den angrenzenden Wehrgängen an der Reihe. Das Netz, das dort einige Meter über dem Boden zum Schutz vor herabfallenden Gesteinsbrocken aufgespannt war, konnte nach der Sanierung wieder entfernt werden.

    Nach Fertigstellung der inneren Anlage wurden die Fugen der Außenfassade saniert. Insgesamt ergab sich durch die Verwendung des hydraulischen Trass-Kalk-Mörtels ein optisch und materiell auf den Stein abgestimmtes Fugenbild. Durch eine händische Nachbearbeitung des Mörtels vor seiner vollständigen Aushärtung hat man den Fugen zudem ein historisch-authentisches „Finish“ verpasst: Glatte Fugen gab es zur Entstehungszeit des Schlosses nicht.

    Auch im Jahre 2022 wird an der Werler Schlossruine weitergearbeitet. Die massiven Blockstufen der Erschließungstreppe zur Aussichtsplattform oben auf dem Turm waren stark von Rissen, sowie Steinausbrüchen und -abplatzungen betroffen, weshalb die Treppe nur mit Vorsicht zu begehen war. Größere Fehlstellen konnte das Team der Steinwerkstatt durch Einpassen von Steinvierungen ausfüllen, kleinere wurden mit spezieller Steinersatzmasse angeglichen. Im unteren, gewendelten Bereich der Treppe war das Unfallrisiko wegen der geringen Auftrittsfläche der historischen Stufen so hoch, dass diese komplett ersetzt werden mussten. Durch die handwerkliche Oberflächenbearbeitung der neuen Stufen und der eingesetzten Steinvierungen ergibt sich insgesamt ein interessanter Kontrast zu den glatten, ausgetretenen Oberflächen der alten Steinsubstanz.

    Die obere Aussichtsplattform wurde ebenfalls vielgestaltigen Veränderungen unterzogen. Einen wichtigen Beitrag zur konstruktiven Stabilität der annähernd runden Turmanlage liefert etwa der umläufig angebrachte Betonrähm, der mithilfe von Edelstahlankern in das darunterliegende Mauerwerk eingebunden ist und dieses somit stabilisiert. Vor allem das Wurzelwerk des bisherigen Wildwuchses hatte dafür gesorgt, dass sich einzelne Mauersteine aus dem Verbund lösten und nach außen gedrückt wurden. Den Beton hat die Steinwerkstatt nach oben und nach außen mit maßangefertigten Grünsandsteinplatten abgedeckt. Ein auf dem Rähm angebrachtes Geländer sorgt für die Sicherheit der in Zukunft zu erwartenden Ruinenbesucher, die auf der neu angelegten Kieswegung den Turm nun rundum begehen können. Das wuchernde Grün ist einer gepflegten, zu Hügeln aufgeschichteten Grünanlage im Zentrum der Plattform gewichen. Eine Folie unter dem Erdreich fängt das Regenwasser auf und leitet es über schlichte Wasserspeier nach außen ab. Die inneren Gewölbe werden somit effektiv vor Schäden durch Wassereintragung geschützt. Für die gärtnerische Gestaltung der Turmplattform zeichnet der Werler GaLa-Bau-Betrieb Bong unter der Leitung von Dipl.-Ing. Tobias Bong verantwortlich.

    Trotz aller Sanierungsmaßnahmen bleibt die Schlossruine jedoch genau das – eine Ruine. Folglich ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren weitere Herausforderungen durch Erarbeiten entsprechender Lösungskonzepte zu bewältigen sein werden. Aktuell in Planung ist etwa die Umnutzung des Rittersaals zu einem attraktiven Veranstaltungsort für Feiern und Feste aller Art. Die ursprünglichen Ausmaße der Schlossanlage sollen durch eine Gartenanlage mit Mauern und Beeten wieder sichtbar gemacht werden. In der Mauer zur Straße „Am alten Schloss“ soll zudem ein Durchgang angelegt werden, um die Ruine zur Stadt hin zu öffnen und sie somit auch stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken.

    Die Sanierung der Schlossruine macht das Bauwerk zu einem Zugewinn für die Werler Kulturlandschaft. Sie stellt nun nicht mehr nur ein bedeutendes baugeschichtliches Denkmal dar, sondern macht künftig auch als begehbares Ausflugsziel Stadtgeschichte greifbar.

  • Artikel Soester Anzeiger 25.06.2022

  • Frühjahrsputz

    Bei der umfangreichen Teilsanierung der Schlossruine war viel Schmutz und Staub angefallen. Mitglieder des Fördervereins reinigten den Rittersaal sowie dessen Inventar. Auch im Außenbereich wurde Hand angelegt und Unkraut von den Wegen entfernt. Der Vorstand des Fördervereins bedankte sich bei den Helfern mit Grillwurst und Getränken.

    Frühjahrsputz 2022 – Arbeiten auf dem Gelände Frühjahrsputz 2022 – gemeinsame Pflegearbeiten Frühjahrsputz 2022 – Gruppenfoto Frühjahrsputz 2022 – Innenbereich der Schlossruine