Geschichte

Die Kurfürstliche Schlossruine Werl ist ein bedeutendes Zeugnis der Stadt- und Landesgeschichte. Von der einst wehrhaften und repräsentativen Schlossanlage der Kölner Kurfürsten sind heute noch ein Turm sowie eindrucksvolle unterirdische Gewölbe und Gänge erhalten.

Die Anfänge des Schlosses

Am 10. Dezember 1519 verfügte der Kölner Erzbischof und Kurfürst Hermann V. von Wied den Bau eines Schlosses in Werl. Die Anlage wurde bereits 1522 fertiggestellt und diente fortan als Landesburg, Residenz und Teil der Werler Stadtbefestigung.

Das Schloss stand nicht an der Stelle der älteren Werler Grafenburg, die bereits im 10. Jahrhundert bestand und 1288 zerstört wurde. Vielmehr entstand mit dem Schloss Werl eine neue, eigenständige Anlage, die sowohl herrschaftliche als auch militärische Funktionen erfüllte.

Kupferstich: Historische Ansicht Wall-Anlagen inkl. Schloss.

Festung und Residenz

Das Schloss war eine große und wehrhafte Anlage. Nach Angaben zur historischen Bausubstanz umfasste der Innenhof etwa 50 mal 50 Meter. Die Mauern waren rund 11 Meter hoch und etwa 4,70 Meter stark, hinzu kamen mächtige Ecktürme zur Verteidigung.

Über Jahrhunderte diente das Schloss den Erzbischöfen und Kurfürsten von Köln als Residenz während ihrer Aufenthalte in Werl. Eine ständige Besatzung von etwa 100 Soldaten sicherte die Anlage und bot in Kriegszeiten auch den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Schutz. Selbst als Werl 1586 eingenommen wurde, konnte sich das Schloss halten.

Bildplatzhalter 2: Aktuelles Außenfoto der Schlossruine oder des erhaltenen Turms.

Alt-Text-Vorschlag: Der heute noch erhaltene Turm der Schlossruine Werl.

Bedeutung für Werl und die Wallfahrt

Das Schloss prägte die Geschichte Werls nicht nur als landesherrliche Anlage, sondern auch im religiösen Leben der Stadt. Am 2. November 1661 wurde hier das aus Soest stammende Mariengnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ an die Werler übergeben. Dieses Ereignis gilt als Ausgangspunkt der bis heute bestehenden Wallfahrt nach Werl.

Damit ist die Schlossgeschichte eng mit der Entwicklung Werls als Wallfahrtsstadt verbunden. Das Bauwerk war also nicht nur ein Ort der Macht und Verteidigung, sondern auch Schauplatz eines Ereignisses, das die Stadt bis in die Gegenwart hinein prägt.

Zerstörung und Verfall

Im Siebenjährigen Krieg erlitt das Schloss schwere Schäden. Während Wikipedia allgemein von erheblichen Beschädigungen zwischen 1756 und 1763 berichtet, nennen die touristischen Informationsseiten besonders das Jahr 1762 als Zeitpunkt der starken Zerstörung. Eine grundlegende Wiederherstellung erfolgte nicht.

In der Folge verfiel die Anlage nach und nach. Später diente sie sogar als Steinbruch; viele Häuser und Mauern in Werl wurden aus abgetragenen Steinen des Schlosses errichtet. So ging ein großer Teil der einst prächtigen Anlage verloren.

Bildplatzhalter 3: Historische Darstellung des Schlosses im 18. Jahrhundert, zum Beispiel „Schloss Werl um 1757“.

Alt-Text-Vorschlag: Historische Darstellung des Schlosses Werl im 18. Jahrhundert.

Abbruch im 19. Jahrhundert

1816 ging das Schloss in den Besitz des preußischen Staates über. Obwohl zunächst noch die Absicht bestand, das Gebäude zu erhalten, begann man 1825 mit dem Abbruch der Ruine. Damit verschwanden weitere Teile der Anlage dauerhaft aus dem Stadtbild.

Im 19. Jahrhundert wurde das Gelände zudem weiter verändert. Nach dem Verkauf an einen privaten Eigentümer wurden der Wassergraben überbaut und die vorhandenen Kellergewölbe erweitert. Zeitweise wurde dort sogar eine Brauerei eingerichtet. Seit 1888 befinden sich Ruine und Gelände im Besitz der Werler Ursulinen.

Was heute noch erhalten ist

Erhalten geblieben sind vor allem ein Turm sowie die unterirdischen Gewölbe und Gänge. Gerade diese „Werler Unterwelt“ fasziniert bis heute viele Besucherinnen und Besucher und macht die Schlossruine zu einem außergewöhnlichen geschichtlichen Ort in Werl.

Besonders bemerkenswert ist der sogenannte Rittersaal im Turm. Er befindet sich heute ebenerdig, lag ursprünglich jedoch im ersten Obergeschoss. Durch spätere Erdanschüttungen und bauliche Veränderungen des 19. Jahrhunderts wirkt ein Teil des Turmes heute gewissermaßen „unterirdisch“.

Blick in die historischen Gewölbe der Schlossruine Werl.

Die Schlossruine in der Gegenwart

Heute zählt die Schlossruine zu den architektonischen und historischen Besonderheiten der Wallfahrtsstadt Werl. Führungen und besondere Aktionstage machen die erhaltenen Teile der Anlage erlebbar und vermitteln anschaulich ein Stück Werler Geschichte.

Auch kulturell wird die Anlage genutzt. Der Rittersaal ist wieder zugänglich und dient heute unter anderem als Ort für Veranstaltungen. Damit bleibt die Schlossruine nicht nur ein Denkmal vergangener Zeiten, sondern auch ein lebendiger Teil des kulturellen Lebens in Werl.

Bildplatzhalter 5: Innenaufnahme des Rittersaals oder Foto einer Veranstaltung in der Schlossruine.

Alt-Text-Vorschlag: Der Rittersaal in der Kurfürstlichen Schlossruine Werl.

Erinnerung und Verantwortung

Die Kurfürstliche Schlossruine Werl ist weit mehr als ein baulicher Rest vergangener Jahrhunderte. Sie erinnert an die landesherrliche Geschichte Werls, an die religiöse Entwicklung der Stadt und an den Wandel eines einst bedeutenden Schlosses zur heutigen Ruine.

Gerade deshalb ist ihr Erhalt von besonderer Bedeutung. Die Schlossruine verbindet Geschichte, Denkmalpflege und kulturelles Leben an einem Ort und bleibt ein wichtiger Bestandteil des historischen Erbes der Stadt Werl.