Die Schlossruine ist ein prägendes Zeugnis der Werler Stadtgeschichte. Unser Verein setzt sich für ihren Erhalt ein und macht ihre Geschichte für Besucherinnen und Besucher lebendig. Erfahren Sie hier mehr über diesen besonderen Ort und aktuelle Themen rund um die Schlossruine!
Baukultur erforschen, erhalten, erleben und beleben
Zum Start des Fördervereins der Werler Schlossruine
Im Sommer 2012 fand gemeinsam mit dem Architekten Nils Oetterer ein Ortstermin an der Schlossruine auf dem Gelände des Ursulinengymnasiums statt. Zu diesem Zeitpunkt war die Ruine bereits stark in Vergessenheit geraten und konnte seitdem nicht mehr genutzt werden.
Die Ruine des erhaltenen Wehrturms gehört seit 1888 zum katholischen Stift des St. Ursula-Klosters und liegt auf dem Schulgelände des Ursulinengymnasiums. Bereits 2012 musste der Zugang zur Anlage gesperrt werden, da sowohl im Inneren als auch an den Außenmauern durch herabstürzende Steine Gefahr bestand. Ziel war deshalb, den Bestand der Ruine möglichst schnell gegen weiteren Verfall zu sichern.
[Foto-Platzhalter: Gesamtansicht der Schlossruine]
Auf Initiative des Bürgermeisters Michael Grossmann wurde daraufhin der Verein Kurfürstliche Schlossruine Werl e. V. gegründet und im Oktober 2014 als gemeinnützig anerkannt. Wichtigstes Ziel des Fördervereins ist die Bestandssicherung. Gleichzeitig soll die Schlossruine als bedeutendes kulturelles Erbe der Stadt Werl auch wissenschaftlich untersucht und schrittweise wieder stärker der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Die letzten größeren Instandhaltungsarbeiten lagen bereits viele Jahre zurück. Entsprechend gab es zunächst zahlreiche Abstimmungsgespräche mit der NRW-Stiftung und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), um mögliche Förderwege und denkmalpflegerische Maßnahmen zu klären. Dabei wurde unter anderem die rund 90 Zentimeter starke Erdauffüllung auf dem Turm thematisiert, die vermutlich schon im 16. Jahrhundert als Schutzmaßnahme gegen Beschuss angelegt wurde.
Da sich die Ruine über Jahrzehnte hinweg stark mit Bäumen und Sträuchern bewachsen hatte, wurde sie im Januar 2015 zunächst entwaldet. Erst dadurch wurden ihre Konturen wieder deutlich sichtbar. Im Anschluss konnte die Anlage mit Unterstützung der Hochschule Bochum laserterrestrisch vermessen werden. So entstanden erstmals genaue dreidimensionale Pläne der vorhandenen Bausubstanz.
[Foto-Platzhalter: Entwaldete Ruine]
[Foto-Platzhalter: Vermessung / Laserscanner im Rittersaal]
Mit Hilfe einer Förderung der Werl Stiftung begannen anschließend die ersten Sicherungs- und Sanierungsarbeiten. Ein zentrales Ziel war die Wiedereröffnung des Rittersaals, des größten Raums im Erdgeschoss des Wehrturms. Damit dieser künftig für kleinere Konzerte, Ehrungen oder ähnliche Veranstaltungen genutzt werden kann, waren zunächst umfangreiche Sicherungsmaßnahmen erforderlich.
[Foto-Platzhalter: Rittersaal innen]
Dazu mussten Gewölbe, Steine und Fugen sorgfältig geprüft werden. Auch der gerissene Kaminsims wurde unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten notgesichert. Zusätzlich waren Maßnahmen an den Gewölben notwendig, da deren Tragfähigkeit zunächst unklar war. Ein besonderes Problem stellte das Außenmauerwerk dar, in dem sich weiterhin einzelne Steine lösen konnten.
Als Ursachen gelten unter anderem Wurzelschäden durch Pflanzenbewuchs sowie ältere Sanierungsarbeiten aus dem Jahr 1975, bei denen teilweise Zementmörtel verwendet wurde. Dieser ist dichter als der historische Grünsandstein und erschwert das Austrocknen des Mauerwerks. Dadurch kommt es vor allem bei Frost und Tauwetter zu weiteren Schäden. Um die offenen Fugen zu schließen und das Mauerwerk langfristig zu entlasten, ist deshalb eine Fugensanierung vorgesehen.
[Foto-Platzhalter: Außenmauerwerk / Schadstellen]
Weitere Bauforschung
Ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit ist die Bauforschung. Da die Grundfläche des ehemaligen Schlosses heute teilweise vom Ursulinengymnasium überbaut ist, stellt sich die Frage, ob sich im Erdreich noch Reste der alten Anlage erhalten haben. Deshalb wurden in Zusammenarbeit mit dem Geophysiker Prof. Dr. Jörg Renner Bodenradarmessungen durchgeführt. Diese ermöglichen eine zerstörungsfreie Untersuchung des Untergrunds und können Hinweise auf verborgene Mauerreste liefern.
Ein erstes wichtiges Ergebnis konnte bereits im Juni 2015 beim Ruinenfest des Männergesangvereins „Einigkeit“ 1914 Werl gefeiert werden: Der bis dahin gesperrte Rittersaal wurde wiedereröffnet. Seitdem kann er für Veranstaltungen wie Lesungen, Hochzeiten oder Konzerte mit bis zu 50 Personen genutzt werden. Außerdem fanden im Rahmen des Ruinenfests zahlreiche Führungen statt, auch in den sonst nicht zugänglichen Kellergewölben.
[Foto-Platzhalter: Veranstaltung im Rittersaal]
[Foto-Platzhalter: Führung in den Kellergewölben]
Heute wird die Arbeit des jungen Fördervereins von inzwischen über 30 Mitgliedern getragen. Wer das Projekt unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen, den gemeinnützigen Verein zu verstärken und damit zum Erhalt dieses besonderen Bau- und Kulturdenkmals beizutragen.
Auf einem barocken Gemälde des Werler Gnadenbildes, das seit Anfang 2026 im Pilgerkloster Werl zu sehen ist, findet sich in der unteren rechten Bildecke eine historische Ansicht der Stadt Werl aus dem späten 18. Jahrhundert. Deutlich erkennbar ist dabei auch die ehemalige kurkölnische Burganlage, deren Überreste heute als Schlossruine erhalten sind. Das Gemälde gehört zu den wenigen bildlichen Zeugnissen dieser Zeit und vermittelt einen seltenen Eindruck vom damaligen Erscheinungsbild der Stadt.